Das Geläute von St. Stephan

Der Wiener Stephansdom besitzt mit 22 Glocken das größte Geläute in Österreich und eines der größten Geläuteensembles weltweit.

 

Elf Glocken im Südturm

Bis zum zweiten Weltkieg hing in der Glockenstube des Südturms die alte Pummerin, die beim Dombrand 1945 zerstört wurde. Da die neue Pummerin ihren Platz im Nordturm fand, war nun im Südturm Platz für das 1960 von der Glockengießerei Joseph Pfundner in Wien gegossene Festgeläute mit 11 Glocken. Das Festgeläute ist von den Tonhöhen auf die Pummerin abgestimmt. Erstmals geläutet wurde es am Allerheiligentag 1960.

1.  Hl. Stephanus (5700 kg), Ton g

2.  Hl. Leopold (2300 kg), Ton c‘

3.  Hl. Christophorus (1350 kg), Ton es‘

4.  Hl. Leonhard (950 kg), Ton f‘

5.  Hl. Joseph (700 kg), Ton g‘

6.  Hl. Petrus Canisius (400 kg), Ton b‘

7.  Hl. Pius X. (280 kg), Ton c‘‘

8.  Alle Heiligen (200 kg), Ton d‘‘

9.  Hl. Klemens Maria Hofbauer (120 kg), Ton f‘‘

10. Hl. Michael (60 kg), Ton a‘‘

11. Hl. Tarzisius (35 kg), Ton c‘‘‘

 

 

Sechs historische Glocken im nördlichen Heidenturm

Sie läuten jeden Samstag und Sonntag um 16.50 Uhr die Vesper ein.

1. Kantnerin von 1552 (umgegossen 1772), Ton dis’
(Sie rief die Kantoren zum Gottesdienst.)

2. Bieringerin von 1546 (umgegossen 1772), Ton fis’
(Sie gab über Jahrhunderte abends das Zeichen zur Sperrstunde für die Bierstuben im Umkreis von St. Stephan. In unserer Zeit wird sie in gleicher Funktion alljährlich an den Abenden des „Steffl-Kirtags“ im Mai geläutet.)

3. Fehringerin von 1772, Ton gis’
(Sie wurde am Sonntag zum Hochamt geläutet, ihre Namensgebung ist unklar. In unserer Zeit erklingt sie jeden Sonntag nach dem Angelus um 20 Uhr zum besonderen Gedächtnis aller in der Vorwoche Verstorbenen.)

4. Churpötsch von 1772, Ton c“
(Sie wurde zur Rosenkranzandacht geläutet. Ihr Name rührt wohl von einer Stiftung der erzbischöflichen Cur zu Ehren des Gnadenbildes Maria Pocs her. In unserer Zeit läutet sie nach dem Angelus um 20 Uhr zum Taufgedächtnis am Vorabend des Sonntags.)

5. Chorglöckl von 1280, Ton g’’
(Sie rief die Chorherren zum Gottesdienst. Auch genannt „Kleine Glocke von St. Stephan“. Sie gehört zu den ältesten erhaltenen Glocken in Wien. Jeden Freitag erklingt sie nach dem Angelus um 20 Uhr zum Gedächtnis aller Opfer von Krieg und Gewalt.)

6. Feuerin von 1453 (umgegossen 1859), Ton dis’
(Sie wurde bei einem Brand in der Stadt geläutet. In unserer Zeit läutet sie jeden Donnerstag im Anschluss an den Angelus um 20 Uhr im Gedenken an die Todesangst Christi am Ölberg.)

 

 

Historische Glocken im südlichen Heidenturm

Dort waren die „Viertel-Pummerin“ und die „Zwölferin“ untergebracht. Als der Turm 1945 vollständig ausgebrannte wurden diese Glocken zerstört.

 

 

Die Pummerin im Nordturm

Eigentlich ist ihr Name „Marienglocke“, doch wegen ihres tiefen und mystischen Klanges wurde sie von den Wienern „Pummerin“ genannt.

Die „alte“ Pummerin mit 22.500 kg wurde im Jahr 1711 im Auftrag von Joseph I. aus erbeuteten türkischen Kanonenkugeln gegossen. Wegen ihres großen Gewichts von 22.500 kg und den damit verbundenen statischen Belastungen für den Südturm wurde sie stehend durch Bewegen des Klöppels geläutet, zuletzt am Ostersonntag 1937. Dann wurde sie beim Dombrand 1945 zerstört.

Die „neue“ Pummerin (Schlagton C  + 4/16tel) wurde aus den Trümmern der Vorgängerin im Jahr 1951 in St. Florian neu gegossen. Ihr Gewicht beträgt rund 22.000 kg, Durchmesser und Höhe samt der Krone jeweils rund 3 m, die größte Wandstärke 23 cm.

Die Pummerin hängt seit 1957 im Nordturm und wird zu folgenden Anlässen geläutet: am Heiligen Abend nach der ersten Vesper, am Heiligen Abend zu Beginn der Christmette, am Christtag nach dem Pontifikalamt, am Stephanitag nach dem Pontifikalamt, bei der Jahresschluss-Andacht nach dem Te Deum, zum Jahreswechsel um Mitternacht, am Ende der Osternachtfeier, am Ostersonntag nach dem Pontifikalamt, am Domweihfest (23. April) nach dem Pontifikalamt, am Pfingstsonntag nach dem Pontifikalamt, zu Fronleichnam am Beginn und am Ende der Prozession, am Nationalfeiertag (26. Oktober) nach der Festandacht und vor dem Pontifikalrequiem an Allerseelen.

Auch erhebt die Pummerin ihre Stimme zu besonderen Anlässen wie dem Tod oder der Ernennung des Papstes, oder dem Tod, der Ernennung und der Amtsübernahme des Wiener Erzbischofs oder zum Begräbnis des Dompfarrers.

Der Klöppel der Pummerin wurde im Jahr 2011 durch einen um 200 kg leichteren Klöppel ersetzt, der mit „nur“ noch 637 kg die Glocke schonender zum Klingen bringt.

 

 

Schlagglocken des Uhrwerks im Turmhelm des Südturms

1. Primglöcklein von 1771, Ton g‘‘
Viertelstundenschlag

2. Uhrschälle von 1449, Ton cis‘
Stundenschlag

 

 

Zwei historische Glocken sind derzeit stumm
(stehen als Museums-Stücke zu Füßen der Pummerin)

1. Speisglocke von 1613 (1772 umgegossen), Ton c’’
(wurde als Totenglocke verwendet)

2. Zügenglocke von 1707 (1803 umgegossen), Ton es’’
(wurde geläutet, wenn Sterbende in den letzten Zügen lagen)

 

 

Zum Download:

Läutordnung Stephansdom.pdf  

 

So klingt's:

Das Geläute von St. Stephan - Youtube  

Das Geläute von St. Stephan vor 1945 - Youtube  

Die alte Pummerin – Youtube   

Das Chorglöckl - mp3  

 


Quellen:

Domarchiv St. Stephan

Flieder-Loidl, Stephansdom. Zerstörung und Wiederaufbau, Wien 1967

Gruber Reinhard H., Die Domkirche St. Stephan zu Wien, Wien 1998

Rejda Georg, Die Glocken von St. Stephan (Manuskript), Wien o.J.

Domany-Hirsch, Orientierung und Symbolik, Wien 2012

Wintermeyer Hans, Die Glocken zu St. Stephan, Wien 2013